Wie wird die Strahlentherapie bei Darmkrebs geplant?
Ziel der Strahlentherapie ist es, dass der Tumor eine möglichst hohe Strahlendosis erhält,
ohne das umgebende gesunde Gewebe zu schädigen. Um Reaktionen des gesunden (den Tumor angrenzenden)
Gewebes auf eine Strahlentherapie zu vermeiden, wird die Durchführung der Bestrahlung sehr
sorgfältig geplant. Die Bestrahlungsplanung wird heute mit Hilfe moderner Computertomographie
(Bildgebendes Röntgenverfahren) durchgeführt. Hierbei wird darauf geachtet, dass der Dünndarm und
andere Organe im Becken möglichst nicht im Strahlenfeld liegen. Aus diesem Grund erfolgt die
Lagerung des Patienten in Bauchlage auf einem Lochbrett, so dass ein großer Teil des gesunden
Darmes, der nicht bestrahlt werden soll, außerhalb des Strahlenfeldes zum Liegen kommt. In dieser
Position erfolgt die Bestrahlung in der Regel seitlich und von hinten (Abb. 1). Schließlich wird
die gesunde Tumorumgebung mit Hilfe von Blenden geschützt, um Strahlenschäden zu vermeiden. Im
Anschluss an die Bestrahlungsplanung werden die Bestrahlungsfelder unter Röntgen-Durchleuchtung
kontrolliert (Bestrahlungssimulator) und so die korrekte Position des Patienten zum
Bestrahlungsgerät sichergestellt. Markierungen, die auf der Haut angebracht werden, erleichtern die
möglichst exakte Bestrahlung. Grundsätzlich wird erst mit der eigentlichen Bestrahlung begonnen,
wenn die korrekte Planung und Positionierung des Patienten sichergestellt ist.
Verlagerung des Dünndarms aus dem Strahlenfeld
Abb. 1: Beispiel für eine Bestrahlungsplanung zur Bestrahlung
eines Patienten mit Enddarmkrebs. Zur Dünndarmschonung erfolgt die Lagerung des Patienten in
Bauchlage mit einer Öffnung des Tisches im Bereich des Darmes (Lochbrett). Auf diese Weise erreicht
man eine Verlagerung des Dünndarms [A] außerhalb des Strahlenfeldes [B].
Zeitpunkt der Strahlentherapie
Wenn der Tumor schon sehr groß ist und tiefere Schichten der Enddarmwand oder den
Schließmuskel des Darmausgangs erreicht, wird in aller Regel eine Bestrahlung vor der Operation
angewendet (neoadjuvante Radiatio). Ziel dieses Therapieansatzes ist es, den Tumor so zu
verkleinern, dass er durch eine anschließende Operation sicher entfernt werden kann und kein
künstlicher Darmausgang gelegt werden muss. Eine Strahlentherapie nach einer Operation (adjuvante
Strahlentherapie) sollte durchgeführt werden, wenn sich während einer Operation herausstellt, dass
tiefere Schichten der Darmwand vom Krebs befallen waren oder Tumorzellen bereits in Lymphknoten
gefunden werden. Mit der adjuvanten Bestrahlung soll ein Wiederauftreten der Krebserkrankung an der
gleichen Stelle verhindert werden. Die adjuvante und neoadjuvante Strahlentherapie werden in der
Regel zusammen mit einer Chemotherapie verabreicht. Die zusätzliche Chemotherapie hat eine
günstige, verstärkende Wirkung für die Strahlentherapie. Diese Therapie bezeichnet man als
kombinierte Strahlen- und Chemotherapie. In fortgeschrittenen Krankheitsstadien wie auch beim
Wiederauftreten des Tumors im Bereich der Erstmanifestation (Rezidiv) kann die Bestrahlung oft
einen wertvollen Beitrag leisten, zum Beispiel bei der Minderung von Knochen- oder Nervenschmerzen.
Prof. Dr. med. Frank Rose
Oberarzt an der Klinik für Strahlentherapie des
Universitätsklinikums Gießen und Marburg, Standort Marburg
Anmerkung der Redaktion: Die Verfasser von Gastbeiträgen erhalten keine finanziellen
Zuwendungen.
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Prof. Dr. med. Frank Rose
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Ein Beitrag vom 20.01.2010
Stichwörter:
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