Wenn eine Dickdarmtumorerkrankung nicht mehr heilbar ist, treten Aspekte der Lebensverlängerung,
aber auch zunehmend der Lebensqualität in den Vordergrund. Im Prinzip kommen die schon oben
benannten Medikamente zum Einsatz. Sie werden ergänzt durch moderne Therapieverfahren wie die
Antikörper Cetuximab und Bevacizumab. Cetixumab ist ein Antikörper, welcher eine Struktur auf den
Tumorzellen erkennt und diese abschaltet (EGFR); Bevacizumab ist ein Antikörper, der einen für
Tumorzellen wichtigen Wachstumsfaktor (VEGF), der sich im Blut befindet, neutralisiert und somit
das Tumorwachstum hemmen soll. Beide Antikörper haben unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten,
Kombinationspartner und auch Nebenwirkungen. Da es sich um biologische Medikamente handelt, können
auch vollkommen andere Nebenwirkungen vorkommen, als dies von klassischen Zytostatika bekannt ist
(z.B. hoher Blutdruck, Nierenstörungen oder Wundheilungsstörungen bei Bevacizumab; Hautstörungen
sowie Allergie bei Cetuximab).
Die Behandlung im fortgeschrittenen Stadium sollte individuell gestaltet werden. Wichtig ist,
dass nach Erreichen eines Behandlungserfolges die Therapie ruhig unterbrochen werden kann und
wieder aufgenommen wird, wenn die Krankheit wieder aktiver wird. Im Allgemeinen wird dann ein
anderes Therapieregime gewählt. Mit diesen individuell abgestimmten Behandlungsschemata konnte die
mittlere Überlebenszeit der fortgeschrittenen Dickdarmkrebserkrankung von 8 – 10 Monaten auf nun
nahezu 24 Monaten verlängert werden. Dabei muss die Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität
immer im Vordergrund stehen.
Die Ansicht, wann eine Dickdarmtumorerkrankung als unheilbar, wann als heilbar, gilt, hat
sich ebenfalls in den letzten Jahren stark gewandelt. Durch verbesserte Therapieverfahren
insbesondere bei vorliegenden Tumorabsiedlungen in der Leber können heute Patienten geheilt werden,
die früher als unheilbar galten. Auch hier gilt, dass eine Vorstellung in einem Tumorzentrum
sinnvoll sein kann, um diese Patienten zu identifizieren. Selbstverständlich sollte gerade bei
Patienten mit fortgeschrittenen Tumorleiden die Behandlung möglichst wohnortnah und in
engster Absprache von Spezialisten und Hausarzt erfolgen.
Prof. Dr. med. Andreas Neubauer
Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Immunologie,
Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg;
Sprecher des Comprehensive Cancer Center Marburg
Anmerkung der Redaktion: Die Verfasser von Gastbeiträgen erhalten keine finanziellen
Zuwendungen.
Weitere Artikel zum Thema
| Autor(en): |
Prof. Dr. med. Andreas Neubauer
|
Ein Beitrag vom 13.01.2010
Stichwörter:
Chemotherapie,
Lebensverlängerung,
Antikörper,