Eine adjuvante Therapie beschreibt die Tumortherapie, welche nach einer an sich heilenden Operation
(„kurative“ Operation) gegeben wird und von der man aus großen Behandlungsstudien weiß, dass sich
dadurch die Prognose bei diesen an sich als geheilt geltenden Patienten statistisch gesehen
verbessern kann. Das Problem hierbei ist, dass man viele Patienten therapiert, aber nur einem
kleinen Teil wirklich dadurch geholfen wird, nämlich dem, der ohne diese adjuvante Therapie einen
Krankheitsrückfall erlitten hätte. Da man vorab diese Patienten nicht erkennen kann, wird nach
bestimmten Schemata eine adjuvante Therapie empfohlen, wenn nämlich das Rückfallrisiko als hoch
angesehen wird und statistisch klar ist, dass man einem Teil der Patienten durch die adjuvante
Therapie den Rückfall erspart.
Beim Colonkarzinom besteht die Indikation zu einer adjuvanten Behandlung in einer alleinigen
Chemotherapie. Sie wird dann gegeben, wenn kein Anhalt für Fernmetastasen vorliegt und Lymphknoten
im Operationspräparat von der Krebserkrankung befallen waren (so genanntes N + Stadium (für Nodus =
Lymphknoten)). Wichtig ist hierbei, dass Operateur und Pathologe gefordert sind. Es sollten mehr
als 12 Lymphknoten im Operationspräparat vorhanden sein, um hierüber korrekt Auskunft geben zu
können. Sind Lymphknoten befallen, liegt ein N+ Stadium (oder UICC Stadium 3) vor, und es erfolgt
eine Behandlung über sechs Monate. Normalerweise werden die notwendigen Medikamente über eine
zentrale Vene gespritzt, eines der Medikamente muss über eine längere Zeit von 48 Stunden
einlaufen, was eine Anlage eines zentralen Venenkatheters (so genanntes Port System) notwendig
macht. Diese Chemotherapie wird dann alle zwei Wochen wiederholt. Man geht davon aus, dass somit
ca. 20 – 30% weniger Rückfälle und krankheitsbedingte Sterbefälle allein durch die Gabe der
richtigen medikamentösen Behandlung auftreten. Wichtig ist, dass diese Behandlung nicht später als
sechs Wochen nach der Operation einsetzen sollte. Man hat auch herausgefunden, dass zusätzliche
sportliche Betätigung die Prognose der Erkrankung deutlich verbessert.
Chemotherapien verursachen Nebenwirkungen. Die beim Dickdarmkrebs gegebenen Medikamente 5-FU,
Oxaliplatin und Irinotecan verursachen jedes unterschiedliche Nebenwirkungen und schließen leichte
Übelkeit, Schleimhautschädigung mit Durchfall, Hautschäden und Schädigung der peripheren Nerven im
Sinne einer Empfindlichkeitserhöhung insbesondere für Kältereize ein. Nebenwirkungen sollten nur in
seltenen Fällen zur Unterbrechung einer solchen Therapie führen.
Die adjuvante Therapie beim Mastdarmtumor wird im Beitrag von Prof. Rose abgehandelt. Ihr
eigen ist, dass das Medikament 5-FU hier in Kombination mit einer Strahlentherapie eingesetzt wird,
um auch das örtliche Rückfallrisiko abzusenken.
Prof. Dr. med. Andreas Neubauer
Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Immunologie,
Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg;
Sprecher des Comprehensive Cancer Center Marburg
Anmerkung der Redaktion: Die Verfasser von Gastbeiträgen erhalten keine finanziellen
Zuwendungen.
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| Autor(en): |
Prof. Dr. med. Andreas Neubauer
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Ein Beitrag vom 13.01.2010
Stichwörter:
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