Häufigkeit, Vorkommen
In Deutschland erkranken pro Jahr über 70.000 Menschen an einem Darmkrebs, pro Jahr sterben
etwa 28.000. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit steigt ab dem 50. Lebensjahr deutlich an. Die
Darmkrebshäufigkeit ist in hochentwickelten Ländern (wie etwa Deutschland oder in den USA) deutlich
höher als in Entwicklungsländern. Die meisten Darmkrebse entwickeln sich aus gutartigen Polypen.
Eine konsequente Entfernung dieser Vorläuferveränderungen würde die Anzahl der an Darmkrebs
erkrankten Menschen um bis zu 90 Prozent senken lassen.
Ursachen
Die eigentlichen Ursachen sind bisher zwar nicht eindeutig geklärt, jedoch sind eine Reihe
von Risikofaktoren bekannt:
- Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, ist bei familiärer Belastung erhöht. So ist ein 1,5- bis
4-fach erhöhtes Risiko bei Erkrankung von Familienmitgliedern ersten Grades (Eltern, Kinder,
Geschwister) bekannt
- Etwa 5 % der Darmkrebspatienten entwickeln aufgrund einer Erbkrankheit (z.B. familiäre
adenomatöse Polypose, hereditäres nichtpolypöses Kolonkarzinom) einen oder mehrere bösartige
Dickdarmtumoren
- Bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (vor allem bei der Colitis ulcerosa,
geringeres Risiko beim Morbus Crohn) entwickeln sich deutlich häufiger als in der Normalbevölkerung
Dickdarmkrebse
- Die Rolle der Ernährung wird zwar heftig diskutiert, aber eine eindeutige Korrelation wurde
bisher nicht belegt.
Beschwerden
In den ersten (frühen) Stadien haben die betroffenen Patienten meist keinerlei Beschwerden.
Größere Vorläufer-Polypen und ein Darmkrebs können auch bluten. Wenn eine bestimmte Menge Blut in
den Darm gelangt, kann dieses nicht sichtbare Blut mit bestimmten Tests, dem "Test auf okkultes
Blut" (Stuhlprobe), nachgewiesen werden. Falls die Polypen oder der Darmkrebs nicht bluten, bleibt
der Test leider ohne Nachweis. Darüber hinaus können aber auch andere Ursachen wie starkes
Zahnfleischbluten, hohe Vitamin-C-Mengen oder der Genuss rohen Fleisches den Test fälschlicher
Weise positiv ausfallen lassen. Meist kommt es erst bei großen Tumoren zu Beschwerden wie
Schmerzen, Krämpfen, Änderungen der Stuhlgewohnheiten (oft Wechsel zwischen Verstopfung und
Durchfall), Gewichtsverlust, stärkeren (und jetzt auch mit bloßem Auge erkennbaren) Darmblutungen.
Diagnose
Entscheidend ist die frühzeitige Erkennung! Nach den Vorschlägen zur gesetzlichen
Krebsvorsorgeuntersuchung soll ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich ein Stuhltest auf okkultes
Blut durchgeführt werden und eine Untersuchung des Enddarms mit dem Finger ("rektaler Tastbefund")
erfolgen. Der Stuhltest besteht aus drei Kärtchen mit je zwei Feldern, auf die jeweils zwei Proben
von drei hintereinander folgenden Stuhlgängen gebracht werden. In der Arztpraxis wird dann auf
diese Felder eine Reaktionslösung gebracht, die bei Vorhandensein von Blut eine Farbreaktion
hervorruft. Durch verschiedene Studien ist belegt, dass sich die Sterblichkeit an Darmkrebs durch
eine erweiterte Früherkennungsuntersuchung deutlich senken lassen würde. Dazu wird eine jährliche
Stuhltestung und rektale Tastuntersuchung entweder kombiniert mit einer Spiegelung des
linksseitigen Darmes (Rektosigmoidoskopie) alle fünf Jahre oder besser mit einer kompletten
Dickdarmspiegelung (Koloskopie) alle 10 Jahre. Beide bieten zudem die Möglichkeit, in gleicher
Sitzung auch die Vorläuferpolypen abzutragen, wodurch die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von
Darmkrebs verringert werden kann. Würde ab dem 45. Lebensjahr in einem Abstand von 10 Jahren bei
jedem Menschen eine Koloskopie durchgeführt, könnten bis zu 90% aller Dickdarmtumoren verhindert
oder frühzeitig erkannt werden.
Ist der Stuhltest positiv (d.h. ist im Stuhl Blut nachgewiesen) muss immer eine komplette
Darmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt werden, da jeder Nachweis von Blut im Stuhl als Hinweis
auf ein kolorektales Karzinom (Darmkrebs) zu werten ist, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist!
Eine Wiederholung des Stuhltests bei positivem Ausfall des ersten Tests ist völlig sinnlos.
Die früher üblichen Röntgenuntersuchungen (mit Gabe von Kontrastmitteln und Gas) wurden
weitgehend verlassen, da sie deutlich unsicherer sind und keine Probeentnahme zulassen, die zur
Diagnosesicherung notwendig sind.
Bestätigt die Darmspiegelung die Krebserkrankung, müssen weitere Untersuchungen durchgeführt
werden, um die Ausbreitung zu ermitteln:
- Blutuntersuchungen (einschließlich bestimmter "Tumormarker")
- Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
- Computertomographie (Röntgenschichtaufnahme) des Bauchraumes
- Röntgenuntersuchung der Lunge.
Bei einem Darmfrühkarzinom ist eine
Endosonographie der Darmwand von Bedeutung, um die exakte
Eindringtiefe der Krebserkrankung zu ermitteln. Dabei wird eine Darmspiegelung mit einem Gerät
durchgeführt, an dessen Spitze eine Ultraschallsonde sitzt.
Prognose
Wird in einem frühen Stadium operiert ist die Überlebenswahrscheinlichkeit nach fünf Jahren
über 80 %. Leider wird auch heute noch die Krankheit meist erst in späteren Stadien entdeckt, so
dass dann die Prognose deutlich schlechter wird. Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt dann nur noch
rund 15%!
Kommen Sie deshalb zur Darmspiegelung! Vereinbaren Sie bitte einen
Termin.
Ein Beitrag vom 09.12.2010
Stichwörter:
Darmkrebs,
Kolorektales Karzinom,
Dr. Schäfer Kelkheim,