Chemotherapie in fortgeschrittenen Stadien

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. med. Andreas Neubauer, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg.

Moderne Therapieverfahren ergänzen die Behandlung mit Medikamenten. Wenn eine Dickdarmtumorerkrankung nicht mehr heilbar ist, treten Aspekte der Lebensverlängerung, aber auch zunehmend der Lebensqualität in den Vordergrund. Im Prinzip  kommen die schon oben benannten Medikamente zum Einsatz. Sie werden ergänzt durch moderne Therapieverfahren wie die Antikörper Cetuximab und Bevacizumab. Cetixumab ist ein Antikörper, welcher eine Struktur auf den Tumorzellen erkennt und diese abschaltet (EGFR); Bevacizumab ist ein Antikörper, der einen für Tumorzellen wichtigen Wachstumsfaktor (VEGF), der  sich im Blut befindet, neutralisiert und somit das Tumorwachstum hemmen soll. Beide Antikörper haben unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten, Kombinationspartner und auch Nebenwirkungen. Da es sich um biologische Medikamente handelt,  können auch vollkommen andere Nebenwirkungen vorkommen, als dies von klassischen Zytostatika bekannt ist (z.B. hoher Blutdruck, Nierenstörungen oder Wundheilungsstörungen bei Bevacizumab; Hautstörungen sowie Allergie bei Cetuximab).

Die Behandlung im fortgeschrittenen Stadium sollte individuell gestaltet werden. Wichtig ist, dass nach Erreichen eines  Behandlungserfolges die Therapie ruhig unterbrochen werden kann und wieder aufgenommen wird, wenn die Krankheit wieder aktiver wird. Im Allgemeinen wird dann ein anderes Therapieregime gewählt. Mit diesen individuell abgestimmten  Behandlungsschemata konnte die mittlere Überlebenszeit der fortgeschrittenen Dickdarmkrebserkrankung von 8 – 10 Monaten auf nun nahezu 24 Monaten verlängert werden. Dabei muss die Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität immer im Vordergrund stehen. Die Ansicht, wann eine Dickdarmtumorerkrankung als unheilbar, wann als heilbar, gilt, hat sich ebenfalls in den letzten Jahren stark gewandelt. Durch verbesserte Therapieverfahren insbesondere bei vorliegenden Tumorabsiedlungen in der Leber können heute Patienten geheilt werden, die früher als unheilbar galten. Auch hier gilt, dass eine Vorstellung in einem Tumorzentrum sinnvoll sein kann, um diese Patienten zu identifizieren. Selbstverständlich sollte gerade bei Patienten mit fortgeschrittenen Tumorleiden die Behandlung möglichst wohnortnah und in engster Absprache von Spezialisten und Hausarzt erfolgen.

Prof. Dr. med. Andreas Neubauer

Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie, Immunologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Marburg; Sprecher des Comprehensive Cancer Center Marburg

Anmerkung der Redaktion: Die Verfasser von Gastbeiträgen erhalten keine finanziellen Zuwendungen.

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