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Der Dünndarm ist keine Blackbox mehr

Neues in der Dünndarmdiagnostik

Der Dünndarm ist ein ganz wesentlicher Bestandteil des menschlichen Verdauungssystems. Er liegt zwischen Magen und Dickdarm und hat mit seiner Länge von vier bis sechs Metern vielfältige Aufgaben zu erledigen. Er wehrt Mikroorganismen, Viren und Bakterien ab, die über die Nahrung in den Verdauungskanal gelangen, nimmt Wasser und Elektrolyte wie Calcium, Magnesium oder Kalium in die Schleimhaut auf und spaltet die Nahrung in ihre Bestandteile auf. Mit seiner glatten Muskulatur vermischt der Dünndarm den Nahrungsbrei optimal und transportiert ihn weiter. Sind Teile des Dünndarms entzündet, liegen Blutungen vor, haben sich Polypen oder gar Tumore gebildet, dann kann er diese wichtigen Aufgaben nur noch eingeschränkt wahrnehmen.

Die Kapselendoskopie Bislang konnten solche Erkrankungen nur schwer diagnostiziert und behandelt werden, da der Dünndarmin seiner gesamten Länge und mit allen seinen Windungen nicht inspiziert werden konnte. Hier hat die sog. Kapselendoskopie „M2A“ erste Abhilfe schaffen können. Hierbei wird durch eine spezielle Fotokapsel der Dünndarm bei der Passage dieser Kapsel fotografiert. Diese Bilder werden in einem Empfänger am Gürtel des Patienten gesendet und dann per Computer in einen Videofilm umgewandelt. Hierbei können auffällige Befunde gesichtet werden. Nachteilig sind hier die fehlende Lenkbarkeit und Biopsiemöglichkeit (Entnahme von Gewebeproben). Das gelingt nun einem in Japan entwickelten speziellen „Doppelballon-Enteroskop“ , das die Abteilung Gastroenterologie des Klinikums Schwalmstadt noch vor Kassel und Marburg angeschafft hat. „Die Zeiten des Dünndarms als so genannte Black Box des Verdauungskanals sind damit vorbei“, freut sich Dr. Norbert Hesselbarth, konsiliarischer Leiter der Abteilungen Gastroenterologie der Medizinischen Klinik der Schwalm-Eder-Kliniken und niedergelassener Arzt in eigener Praxis am Klinikum Schwalmstadt.

Doppelballon-Enteroskop verbessert die Dünndarmdiagnostik Dieses Spezialendoskop ist den bisherigen Methoden zur Untersuchung des Dünndarms klar überlegen. So lag die diagnostische Ausbeute beim Röntgen bei 50 Prozent, bei der vor ca. acht Jahren eingeführten Kapselendoskopie – in der Praxis von Dr. Hesselbarth vor fünf Jahren – immerhin schon bei 80 Prozent. Bei beiden Methoden konnten neben der fehlenden Gewebeentnahmemöglichkeit insbesondere keine Behandlungen durchgeführt werden. Beim „ Doppelballon-Enteroskop“ gelingt es nun, mit Hilfe von kleinen aufblasbaren Latexballons, das Endoskop durch den sehr schlingenreichen Dünndarm in seiner ganzen Länge zu führen. Das zwei Meter lange und nur 8,5 Millimeter dicke Video-Endoskop besitzt zudem einen Arbeitskanal, durch den Sonden, Zangen und Schlingen in den Dünndarm vorgeschoben werden können. Damit können nicht nur Gewebeproben bei Tumoren oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn zu pathologischen Untersuchungen entnommen, sondern auch Blutungen mit Argonplasmagas gestillt oder Polypen abgetragen werden. Der Einsatz des Doppelballon-Enteroskops ist jedoch keine Routineuntersuchung. Sie wird erst dann angewandt, wenn eine Untersuchung des oberen Verdauungskanals und des Dickdarms keine entsprechenden Ergebnisse erzielen konnte. Die Untersuchung wird ohne Vollnarkose, aber mit Beruhigungsmitteln durchgeführt und dauert etwa eine Stunde. Das Doppelballonendoskop mit einem Wert von ca. 65.000 Euro wurde aus Mitteln der Schwalm-Eder-Kliniken und der Praxis Dr. Hesselbarth finanziert. „Wir erweitern damit enorm das Angebot der Abteilung Gastroenterologie und damit des gesamten Klinikums. Erreicht wird damit ein Stand an medizinischen Methoden weit über dem eines üblichen Kreiskrankenhauses“, unterstreichen Dr. Hesselbarth und Dr. Dirk Fellermann, Regionalgeschäftsführer der Schwalm-Eder-Kliniken.

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