Operation durch das Schlüsselloch

Bei der laparoskopischen Chirurgie (auch Schlüsselloch-Chirurgie) bleiben im Vergleich zur herkömmlichen Darmkrebs-Operation nur kleine Narben zurück. (Foto: Cara-Foto / Fotolia)
Bei der laparoskopischen Chirurgie (auch Schlüsselloch-Chirurgie) bleiben im Vergleich zur herkömmlichen Darmkrebs-Operation nur kleine Narben zurück. (Foto: Cara-Foto / Fotolia)

Patienten profitieren von innovativen Verfahren in der laparoskopischen Darmchirurgie.

(iwg/fru) In Deutschland erkranken jährlich mehr als 62.000 Menschen an Darmkrebs. Eine Operation ist für viele der Erkrankten unausweichlich. Die gute Nachricht ist, dass Darmkrebs heilbar ist, wenn er in einem frühen Stadium entdeckt wurde. Das Stadium bestimmt man nach dem sogenannten TNM-System. Dabei beschreibt das „T“ die Ausdehnung des Tumors, das „N“ den Lymphknotenbefall (lateinisch: Nodus = Knoten) und das „M“, ob Metastasen (Tochtergeschwülste) vorhanden sind.

Durch einen chirurgischen Eingriff kann man dann entsprechend eine Heilung (kurative Operation) oder nur eine Linderung (Palliative Operation) ermöglichen. Um das Behandlungsergebnis zu verbessern, kann je nach Stadium vor dem Eingriff eine Chemotherapie oder eine kombinierte Chemo-Strahlentherapie eingesetzt werden. Dabei spielt es auch eine Rolle, wo genau der Tumor sich im Darm befindet.

Unterschiedliche Behandlung bei Dickdarmkrebs und Enddarmkrebs

Der Dickdarm des Menschen hat unterschiedliche Anteile und damit auch eine unterschiedliche Gefäßversorgung. Laut Prof. Dr. Berthold Gerdes, Chefarzt der Klinik für Allgemeinchirurgie, Visceral-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Johannes Wesling Klinikum Minden, ist das Ziel einer Operation bei Dickdarmkrebs die vollständige Entfernung des Tumors sowie des zum Tumor gehörenden Lymphabflussgebiets. Um das Risiko eines Wiederauftretens des Tumors (Rezidiv) zu minimieren, werden für gewöhnlich sicherheitshalber auch einige Zentimeter des umliegenden gesunden Gewebes herausoperiert. Die verbliebenen Darmenden werden anschließend miteinander vernäht, um die Darmpassage wiederherzustellen.

Die Behandlung eines Enddarmkrebses unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von der des Dickdarmkrebses. „Alle Patienten mit einem Enddarmkrebs sollten in einer interdisziplinären Tumorkonferenz vor Therapiebeginn besprochen werden, in der dann gemeinsam das optimale Therapiekonzept für den Patienten festgelegt wird“, erklärt Prof. Gerdes. Denn bei der Mehrzahl der Patienten liegt zum Zeitpunkt der Diagnose ein Tumorstadium vor, bei dem zunächst über mehrere Wochen eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie vorgenommen werden sollte, die häufig zu einem wesentlichen Rückgang der Tumorgröße führt. Dann kann noch besser operiert werden. Manche der Darmtumoren liegen aber so nahe am Schließmuskel, dass dieser womöglich bei einer Operation entfernt werden muss und ein dauerhafter künstlicher Darmausgang angelegt wird, ein so genanntes Stoma oder Anus praeter.

Laparoskopische Verfahren bieten Vorteile

Sowohl Dickdarm- als auch Enddarmkrebs lassen sich mittlerweile sehr gut mittels laparoskopischem Verfahren (Schlüsselloch-Chirurgie) operieren. Diese Operationstechnik kann für den Patienten deutlich schonender sein, denn es wird mit nur kleinen Schnitten gearbeitet. Der große Schnitt durch die Bauchdecke entfällt also und somit auch die Risiken, die damit einhergehen, wie zum Beispiel Blutungen, Infektionen oder Nahtundichtigkeiten. Zudem benötigt der Patient in den allermeisten Fällen keine extra Blutkonserven und kann das Krankenhaus auch früher verlassen bzw. ist früher wieder voll belastbar.

Wegen der vielen Spezialinstrumente ist die Operation jedoch teurer und auch schwieriger durchzuführen. Sie sollte deshalb nur von erfahrenen Operateuren eingesetzt werden. In bestimmten Fällen, wie beispielsweise einem  Darmverschluss ist die Schlüsselloch-Operation eher nicht geeignet.

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Quellenangaben:
Online-Informationen der Felix Burda Stiftung unter www.darmkrebs.de, des Johannes Wesling Klinikums Minden unter http://www.muehlenkreiskliniken.de/johannes-wesling-klinikum-minden/zentren/darmkrebszentrum/erkrankungen-und-behandlungen/darmkrebs.html und der „Aktion Deutschland gegen Darmkrebs“ unter www.darmspezialisten.de (alle abgerufen im Dezember 2016)