Planung und Zeitpunkt der Strahlentherapie

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. med. Frank Rose, Facharzt Strahlentherapie/ Radioonkologie in der Internistischen Gemeinschaftspraxis Wetzlar.

Wie wird die Strahlentherapie bei Darmkrebs geplant?

Ziel der Strahlentherapie ist es, dass der Tumor eine möglichst hohe Strahlendosis erhält, ohne das umgebende gesunde Gewebe zu schädigen. Um Reaktionen des gesunden (den Tumor angrenzenden) Gewebes auf eine Strahlentherapie zu vermeiden, wird die Durchführung der Bestrahlung sehr sorgfältig geplant. Die Bestrahlungsplanung wird heute mit Hilfe moderner Computertomographie (Bildgebendes Röntgenverfahren) durchgeführt. Hierbei wird darauf geachtet, dass der Dünndarm und andere Organe im Becken möglichst nicht im Strahlenfeld liegen. Aus diesem Grund erfolgt die Lagerung des Patienten in Bauchlage auf einem Lochbrett, so dass ein großer Teil des gesunden Darmes, der nicht bestrahlt werden soll, außerhalb des Strahlenfeldes zum Liegen kommt. In dieser Position erfolgt die Bestrahlung in der Regel seitlich und von hinten (Abb. 1). Schließlich wird die gesunde Tumorumgebung mit Hilfe von Blenden geschützt, um Strahlenschäden zu vermeiden. Im Anschluss an die Bestrahlungsplanung werden die Bestrahlungsfelder unter Röntgen-Durchleuchtung kontrolliert (Bestrahlungssimulator) und so die korrekte Position des Patienten zum Bestrahlungsgerät sichergestellt. Markierungen, die auf der Haut angebracht werden, erleichtern die möglichst exakte Bestrahlung. Grundsätzlich wird erst mit der eigentlichen Bestrahlung begonnen, wenn die korrekte Planung und Positionierung des Patienten sichergestellt ist.

Strahlentherapie Bestrahlungsplanung

Verlagerung des Dünndarms aus dem Strahlenfeld: Beispiel für eine Bestrahlungsplanung zur Bestrahlung eines Patienten mit Enddarmkrebs. Zur Dünndarmschonung erfolgt die Lagerung des Patienten in Bauchlage mit einer Öffnung des Tisches im Bereich des Darmes (Lochbrett). Auf diese Weise erreicht man eine Verlagerung des Dünndarms [A] außerhalb des Strahlenfeldes [B], was durch den roten Pfeil markiert wird.

Zeitpunkt der Strahlentherapie

Wenn der Tumor schon sehr groß ist und tiefere Schichten der Enddarmwand oder den Schließmuskel des Darmausgangs erreicht, wird in aller Regel eine Bestrahlung vor der Operation angewendet (neoadjuvante Radiatio). Ziel dieses Therapieansatzes ist es, den Tumor so zu verkleinern, dass er durch eine anschließende Operation sicher entfernt werden kann und kein künstlicher Darmausgang gelegt werden muss. Eine Strahlentherapie nach einer Operation (adjuvante Strahlentherapie) sollte durchgeführt werden, wenn sich während einer Operation herausstellt, dass tiefere Schichten der Darmwand vom Krebs befallen waren oder Tumorzellen bereits in Lymphknoten gefunden werden. Mit der adjuvanten Bestrahlung soll ein Wiederauftreten der Krebserkrankung an der gleichen Stelle verhindert werden. Die adjuvante und neoadjuvante Strahlentherapie werden in der Regel zusammen mit einer Chemotherapie verabreicht. Die zusätzliche Chemotherapie hat eine günstige, verstärkende Wirkung für die Strahlentherapie. Diese Therapie bezeichnet man als kombinierte Strahlen- und Chemotherapie. In fortgeschrittenen Krankheitsstadien wie auch beim Wiederauftreten des Tumors im Bereich der Erstmanifestation (Rezidiv) kann die Bestrahlung oft einen wertvollen Beitrag leisten, zum Beispiel bei der Minderung von Knochen- oder Nervenschmerzen.

Prof. Dr. med. Frank Rose

Facharzt Strahlentherapie/Radioonkologie in der Internistischen Gemeinschaftspraxis Wetzlar.

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