Strahlentherapie beim Darmkrebs

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. med. Frank Rose, Facharzt Strahlentherapie/Radioonkologie in der Internistischen Gemeinschaftspraxis Wetzlar.

Die Strahlentherapie (Radiatio) hat beim Darmkrebs vor allem bei der Behandlung des Enddarmkrebses eine Bedeutung.  Abhängig von der Größe und der Ausbreitung des Tumors kann eine Bestrahlung vor der Operation (neoadjuvante Radiatio) oder nach einer Operation (adjuvante Radiatio) angewendet werden. Die Bestrahlung wird in der Regel mit einer begleitenden Chemotherapie kombiniert. Die Behandlung des Enddarmkrebses erstreckt sich über mehrere Wochen. Zu einer Strahlentherapie muss ein Patient mit Darmkrebs täglich an 5 Tagen in der Woche zur Bestrahlung kommen. Im Durchschnitt sind 28-31 Bestrahlungen nötig. Der Grund hierfür liegt in der besseren Verträglichkeit der Strahlentherapie, wenn man die Gesamtdosis auf viele kleine Einzelgaben verteilt. Jede einzelne Bestrahlung dauert dabei nicht länger als zwei Minuten. Mit Vorbereitungen und Wartezeit dauert die Behandlung pro Tag in der Regel nicht länger als 15 Minuten.

Wie funktioniert die Strahlentherapie?

Die Strahlentherapie ist eine örtliche Behandlung. Dabei werden energiereiche Röntgenstrahlen zur Abtötung von Krebszellen eingesetzt. Grundlage hierfür sind durch die energiereiche Strahlung entstehende Schäden im Erbgut der Krebszelle. Das Erbgut befindet sich im Zellkern der Zellen in Form langer Molekülketten, der DNS. Durch energiereiche Röntgenstrahlen entstehen im Körper freie Radikale und elektrisch geladene Teilchen, die zu Brüchen in den DNS-Ketten führen. Dadurch können geschädigte Zellen ihr Erbgut nicht mehr lesen, was schließlich zur Teilungsunfähigkeit und zum Absterben der Zellen führt. Die Reaktionen, die in normalen Zellen oder Tumorzellen auftreten sind sehr ähnlich, denn die Strahlen können nicht unterscheiden, ob Tumorzellen oder gesunde Zellen getroffen werden. Trotzdem sterben mehr Tumorzellen ab, da sich normale (gesunde) Zellen normalerweise mit Hilfe von Reparaturmechanismen schneller und besser erholen können. Die Strahlentherapie wirkt nur in dem Bereich, der von den Strahlen erreicht wird; eine Ausbreitung der Strahlen in andere Teile des Körpers findet nicht statt.

Prof. Dr. med. Frank Rose

Facharzt Strahlentherapie/Radioonkologie in der Internistischen Gemeinschaftspraxis Wetzlar

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