Wir essen zu viel, zu oft und zu schnell

Schnelles Essen ist nicht gut für die Verdauung. (Foto: Miriam Dörr / Fotolia)
Schnelles Essen ist nicht gut für die Verdauung. (Foto: Miriam Dörr / Fotolia)

Die "moderne" Lebensweise ist für den Darm und damit für die Gesundheit ungünstig.

(dbp/auh) Der Darm ist von zentraler Bedeutung für die körperliche und psychische Gesundheit des Menschen. Schon im Altertum war das bekannt. Von Hippokrates soll der Satz stammen: Ein kranker Darm ist die Wurzel allen Übels.

Mit einem „kranken Darm“ plagen sich in Deutschland 60 bis 70 Prozent der Menschen, meist nur vorübergehend. Chronische oder stets wiederkehrende Probleme haben schätzungsweise 30 Prozent der Deutschen. Verstopfung und Durchfall sind mit jeweils zehn Prozent die häufigsten Beschwerden. Etwa 300.000 Patienten leiden unter einer chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie zum Beispiel Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Patienten sprechen das Thema Verdauung nicht an

Dennoch ist das Thema Verdauung ein Tabu. Bei einer bundesweiten Umfrage aus dem Jahr 2008 äußerte jeder zweite Arzt die Vermutung, dass Patienten aus Scham ihre Magen-Darm-Probleme von sich aus nicht ansprechen. 69 Prozent der Ärzte gaben an, dass einige Patienten aus reiner Verlegenheit langfristig ihre Gesundheit riskieren. Man könnte hinzufügen: nicht nur ihre Darmgesundheit. Denn der gesamte Stoffwechsel, das Hautbild, das Immunsystem, die Nervenzellen und die hormonelle Balance – alles hängt mit dem Darm zusammen.

Der Darm – und nicht die Haut, wie vielerorts zu lesen – ist das größte Organ des Menschen. Die Hälfte aller Immunzellen und etwa 150 Millionen Nervenzellen sind im Darm angesiedelt. Es lohnt sich also auch für die Minderheit der Menschen, die noch nie Probleme mit dem Darm hatten, etwas für seine Gesunderhaltung zu tun.

Die folgenden Tipps orientieren sich an der Lehre des österreichischen Arztes Dr. Franz Xaver Mayr. Gut für den Darm ist demnach fast alles, was wir nicht (mehr) tun:

1. Vor den Mahlzeiten zur Ruhe kommen. Das früher obligatorische Tischgebet hatte eine im doppelten Sinn segensreiche Wirkung. Steht der Körper unter Stress, stellt er nämlich die Verdauungstätigkeit ein. Daher ist Essen im Gehen („to go“) oder beim Autofahren so ungünstig. Dr. Robert Bachmann, Buchautor zahlreicher Gesundheitsratgeber und ärztlicher Leiter einer Klinik für Naturheilverfahren: „Das Ungesunde am Fast Food ist weniger das Food als vielmehr das Fast“.

2. Langsam essen und kleine Bissen lange kauen, damit bereits im Mund mit der Verdauung begonnen werden kann. Hinunterschlingen belastet nicht nur Magen und Darm, sondern auch Leber und Bauchspeicheldrüse.

3. Die Mahlzeit beenden, bevor das Sättigungsgefühl eintritt. Dieser Rat stammt schon von Hippokrates und ist dann leichter zu befolgen, wenn man Tipp Nummer 2 beherzigt.

4. Zwischen den Mahlzeiten mehrere Stunden „fasten“. Die meisten Menschen brauchen keine Zwischenmahlzeiten. Das Verlangen nach Naschereien zwischendurch verschwindet, wenn Tipps 1 bis 3 befolgt werden. Kohlensäurefreies Mineralwasser oder Kräutertees sollten die Zwischenmahlzeiten ersetzen.

5. Abends nur noch wenig und nur leicht Verdauliches (keine Rohkost) essen. Manche Ernährungsmediziner raten auch dazu, ab und an das Abendessen ganz ausfallen zu lassen. Das neudeutsch sogenannte Dinner Cancelling (14 Stunden keine feste Nahrung zu sich nehmen) soll zur vermehrten Ausschüttung von Hormonen (Somatropin und Melatonin) führen.

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Quellenangaben:
Dr. med. Erich Rauch und Peter Mayr: „Die Kohlenhydrat-Lüge“, Trias Verlag, 2. Auflage, Stuttgart 2011; Vortrag von Dr. med. Robert M. Bachmann zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten im April 2013 in Bad Wörishofen; Umfrage (Februar 2008) zitiert nach www.darmgesundheits-check.de, IMIG Institut für Marktforschung und Gesundheitswesen München, bundesweite qualitative Umfrage bei Ärzten für Allgemeinmedizin, praktischen Ärzten, Internisten und niedergelassenen Gynäkologen; Stand: April 2013